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Wird in Deutschland zuviel operiert? Teil 1

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Mein persönlicher Eindruck: Ja, es wird zu viel operiert.

Immer häufiger kommen Patienten in meine Praxis, denen eine Operation empfohlen wurde, teilweise nach 5 Minuten Gespräch, manchmal ohne dass überhaupt die betroffene Körperregion untersucht wurde, und die sich an mich wenden um eine Zweitmeinung zu erhalten.
Einige fühlen sich auch eingeschüchtert, da Ihnen mitgeteilt wurde, dass die Operation die einzige Möglichkeit sei, um sie von Ihren Schmerzen zu befreien oder zukünftigen Schaden abzuwenden.
Sie sind sich nicht sicher ob Ihnen eine operativer Eingriff empfohlen wurde, weil diese Maßnahme sinnvoll ist.
Einige sind der Meinung, die Operation sei Ihnen nur deshalb empfohlen worden, weil damit Geld verdient wird.
Diese Wahrnehmung der Patienten gründet sich auf einem „Bauchgefühl“ und zunehmenden Berichten der Medien über steigende Op-Zahlen in Deutschland.
Ich stelle einen zunehmenden Vertrauensverlust seitens der Patienten fest und halte dies für eine äußerst bedauerliche Entwicklung.

Welches sind die Gründe für diese Entwicklung?
Steckt dahinter nur Stimmungsmache der Medien?
Oder war das schon immer so, dass Therapien auch aus monetären Gründen angeboten wurden, nur sind die Patienten jetzt aufgeklärter und kritischer?
Ist diese Entwicklung ein Ausdruck einer Fehlentwicklung bzw. von Fehlanreizen insgesamt des Gesundheitssystems in Deutschland?
Wie sehen denn eigentlich die Fakten, und Zahlen aus und welches sind möglicherweise Gründe, die zu einem Anstieg der Operationszahlen geführt haben?

Die AOK berichtete in ihrem Krankenhausreport 2012 über deutlich steigende Operationszahlen in Deutschland, die sich ihrer Ansicht nach nicht alleine mit medizinischem Bedarf erklären ließen. Das Thema wurde von den Medien aufgegriffen und kontrovers diskutiert, immer wieder wurde der Verdacht geäußert, es würden Operationen durchgeführt, die gar nicht notwendig seien, alleine des Geldes wegen.

2013 stellten Abgeordnete der  Linksfraktion eine Anfrage an den Deutschen Bundestag bezüglich „möglich ökonomisch motivierter Medizin in Krankenhäusern durch Fehlanreize der Fallpauschalen“. Oder anders ausgedrückt: Gibt es im Krankenhausystem Fehlanreize, die dazu führen, dass Patienten eine Therapie erhalten, weil damit Geld verdient wird, und nicht weil die Patienten die Therapie brauchen?
Die Antwort der Bundesregierung löste ein großes Presseecho und bis heute andauernde Diskussionen aus. In den Jahren seit 2005 bis 2012 zeigte sich nämlich ein deutlicher Anstieg der operativ durchgeführten Eingriffe in Deutschland. Große Anstiege zeigten sich insbesondere bei  Hüft- und Knieprothesen, die Zahl der Wirbelsäuleneingriffe verdoppelte sich gar, auch die Zahl der Herzschrittmacher und Eingriffe, die mittels Herzkatheter durchgeführt werden, stieg deutlich an.
Befeuert wurde die Diskussion noch durch Statistiken der OECD, die die Wahrnehmung erzeugten, dass in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern vergleichsweise viel operiert wird, bei einzelnen Eingriffen stünde Deutschland an der Spitze. („Operationsweltmeister“)
In den folgenden Monaten gab es Stellungnahmen aus allen Lagern, unter anderem der Deutschen Krankenhausgesellschaft , des Präsidenten der Bundesärztekammer, des damaligen Gesundheitsministers D. Bahr und vielen anderen. Erwartungsgemäß gab es höchst unterschiedliche Meinungen und Aussagen. Die Krankenhausgesellschaft wehrte sich vehement gegen die Vorwürfe, der Ärztekammerpräsident beschwichtigte, aber es gab auch Stimmen, die versuchten, sachlich zu bleiben und Missstände zu benennen, wie Prof. Fritz Niethart, 2014 der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Teil 2 folgt in einer Woche

 

 

 

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